„Polen im Puls“ – unter diesem Motto lädt das 25. Schleswig-Holstein Musik Festival vom 10. Juli bis 29. August 2010 zu einer Entdeckungsreise durch die polnische Musiklandschaft ein. Festivalintendant Prof. Rolf Beck und sein Team präsentieren ein vielfältiges Konzertprogramm und zeigen Polens Musik am Puls der Zeit: Bedeutende Solisten, Orchester, Dirigenten und Komponisten sowie hoffnungsvolle Nachwuchsmusiker sind zu Gast, der Bogen reicht von Alter Musik bis zur Avantgarde, von Chormusik bis Chopin, von Kammermusik bis Klezmer, von großer Sinfonik bis zum Jazz.

Der Länderschwerpunkt Polen wird am 17. Juli von der Sinfonia Varsovia unter dem Dirigat von Krzysztof Urbánski mit Werken des Nationalkomponisten und diesjährigen Jubilars Frédéric Chopin und der „Sinfonie der Klagelieder“ Henryk Mikołaj Góreckis eröffnet.
Der vielversprechendste, erst 28-jährige Nachwuchsdirigent des Landes trifft in diesem Auftaktkonzert auf eins der renommiertesten Sinfonieorchester Polens – eine Veranstaltung, die der Musiknation einen würdevollen Start bereitet.
„Polen historisch“ wirft exemplarisch Schlaglichter auf verschiedene Kapitel polnischer (Musik- und Kultur-)Geschichte. Das Ensemble „alla polacca“ nimmt das Publikum mit auf eine Reise „von Krakau bis Danzig“, das Ensemble „Arte dei Suonatori“ lässt historische Musik aus Polen auf mittelalterlichen Instrumenten wieder auferstehen. Das Konzert zur Ausstellung „Musik in Polen 1939-1945“, das die politische und kulturelle Zerstörung Polens beginnend mit dem Hitler-Stalin-Pakt zum Thema hat, wird vom Aperto Piano Quartett und Solisten gestaltet.
„Polen sinfonisch“ wird es, wenn die bedeutenden Sinfonieorchester Polens, das National Polish Radio Symphony Orchestra Katowice unter der Leitung von Tadeusz Strugała und die Sinfonia Varsovia unter dem Dirigat von Krzysztof Urbánski, zu sinfonischen Klassikern Chopins, Góreckis, Tschaikowskys und Schumanns aufspielen.
„Polen schwarz-weiß“ porträtiert die größten Tastenkünstler Polens: Frédéric Chopin, Julian Fontana, Ignacy Jan Paderewski, Theodor Leschetizky und Karol Szymanowski interpretiert von Rafał Blechacz, Piotr Anderszewski und Hubert Rutkowski. Blechacz ist das jüngste Tastenwunder Polens, er bekam 2005 nicht nur den selten vergebenen ersten Preis des Warschauer Chopin-Wettbewerbs, sondern zugleich alle vier Sonderpreise. Anderszewski und Rutkowski gehören schon seit längerem zur festen Klaviergarde Polens.
„Polen kammermusikalisch“ lädt ein, mit namhaften Streichquartetten Polens wie dem Apollon Musagète Quartett, dem Royal String Quartett und dem Szymanowski Quartet polnische Kammermusik vergangener Jahrhunderte und der musikalischen Moderne zu
entdecken. Weitere kammermusikalische Höhepunkte sind die Gastspiele des Amadeus Chamber Orchestra of Polish Radio und des Polish Chamber Orchestra.
„Polen literarisch“ wird es an sechs Abenden der Veranstaltungsreihe „Text und Musik“. Unterhaltsamer Höhepunkt der Reihe ist der kabarettistische Vortrag „Viva Polonia!“ des Bestsellerautors Steffen Möller. Der Rezitationsabend mit Ulrich Matthes erzählt „Das wunderbare Überleben“ des Władysław Szpilman, der durch Polańskis preisgekrönten Film „Der Pianist“ bekannt wurde. Michael Degen und das Minguet Quartett gestalten einen Abend zum polnischen Literaturnobelpreisträger Isaac Bashevis Singer, dem mit seinem autobiographischen Roman „Kindheit in Warschau“ ein unvergessliches Zeitdokument
gelang.
„Polen etwas anders“ stellt polnische Crossover-Projekte in Zusammenarbeit mit JazzBaltica und folkBALTICA in den Mittelpunkt. Karolina Glazer ist dabei die schillerndste Persönlichkeit, sie hat mit ihrer Mischung aus Jazz-, Scat-, Elektro- und Weltmusik neue
Maßstäbe gesetzt. Ebenso schwer einzuordnen ist die Musik der Warsaw Village Band, die mit ihrem Mix aus ländlichen Melodien und Disko-Rhythmen den Weg in die internationale Musikszene angetreten hat. Die Klezmer-Jungs von Kroke sind mit ihrem historisch angehauchten Folklore-Jazz bereits zum zweiten Mal zu Gast beim SHMF.
„Polen experimentell“ präsentiert die SHMF-Reihe „anbruch“ mit Neuer Musik. Die Bandbreite der zu entdeckenden Neuen Musik reicht vom bedeutendsten zeitgenössischen Komponisten Polens, Krzysztof Penderecki, der sein „Polnisches Requiem“ selbst
dirigieren wird, über Uraufführungen der allerjüngsten Komponistengeneration um Aleksandra Gryka und Wojciech Ziemowit Zych bis zum futuristisch anmutenden Motion Trio aus Krakau, das den Fans durch seine neue Akkordeon-Musik jenseits aller Schubladen bekannt ist. Das Porträtkonzert der diesjährigen Reihe wird vom Minguet Quartett aus Köln gestaltet und widmet sich dem 1994 verstorbenen Witold Lutosławski, der die polnische Musik des 20. Jahrhunderts entscheidend prägte.
„Polen exemplarisch“ beleuchtet Frédéric Chopin, der in diesem Jahr seinen 200. Geburtstag gefeiert hätte. Dem berühmtesten Komponisten Polens ist nicht nur das Auftaktkonzert Polen mit Krzysztof Urbánski gewidmet, auch der Nachwuchsstar der europäischen Pianistenzunft, Rafał Blechacz, und die Grande Dame des Pianos, Elisabeth Leonskaja, nehmen sich der umfangreichen Klavierkunst Chopins an. Die jazzorientierten Improvisations-Abende von Bobby McFerrin und Makoto Ozone nähern sich dem polnischen Nationalkomponisten aus einer ungewöhnlichen Perspektive und geben so neue
Einblicke auf Chopins salonhafte Musik.
Ort: Schleswig-Holstein | Termin: 17.7. - 29.8.2010 | link